Claus Peter Ortlieb: Zur Kritik des modernen Fetischismus

Update [14.08.2020]: Der Schmetterling Verlag hat uns freundlicherweise die Vorbemerkung von Claus Peter Ortlieb und unser Vorwort fĂŒr die Publikation zur VerfĂŒgung gestellt.

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Veröffentlichungshinweis: Der Exit!-Lesekreis in HH gibt in der Reihe Black Books des Schmetterling Verlages die Publikation Zur Kritik des modernen Fetischismus. Die Grenzen bĂŒrgerlichen Denkens. Gesammelte Texte von Claus Peter Ortlieb 1997-2015 heraus. Das Buch ist im September 2019 erschienen.

«Und auch im Innern der verbliebenen Demokratien sieht es nicht so strahlend aus, wie es die Propagandisten der westlichen Werte gern hÀtten. Je deutlicher sich das Ende des Kapitalismus abzeichnet, desto stÀrker klammern sich seine Subjekte an die durch ihn konstituierten Kategorien (Arbeit, Ware, Geld usw.), weil sie fetischistisch an sie gebunden sind. Auch das ist plausibel, weil die aus diesem System Herausfallenden ihr Menschrecht verlieren.»

Claus Peter Ortlieb


Die Publikation ist in drei Teile gegliedert:

  1. Erkenntniskritik: Geldförmige Erkenntnis. Zur Kritik der neuzeitlichen Wissenschaft
  2. Kritik der AufklÀrung: Westliche Werte? AufklÀrung und Fetisch
  3. Krisentheorie: Im Endstadium. Die letzte Krise des Kapitals

Die Texte haben im Rahmen der wert-abspaltungskritischen Theoriebildung Grundlagen fĂŒr eine emanzipatotische Gesellschaftskritik geschaffen, die zumindest Ansatzpunkte fĂŒr die sich stellende Herausforderung einer Überwindung der fetischistisch verfassten Gesellschaftlichkeit einer gebrochenen TotalitĂ€t bieten kann. Hieraus ergibt sich die hohe Relevanz der Texte von Claus Peter Ortlieb, die mit dieser eigenstĂ€ndigen Publikation erstmals gebĂŒndelt vorliegen.

Die zwischen 1997 und 2015 verfassten BeitrĂ€ge des Buches stehen im Kontext des theoretisch-kritischen EXIT!-Projekts (Exit!-Selbstdarstellung von 2007), welches an die Marx‘sche Kritik der politischen Ökonomie anknĂŒpft. Alleinstellungsmerkmale des Projekts sind zum einen die von Robert Kurz bereits in den 1980er-Jahren ausgearbeitete Krisentheorie sowie die von Roswitha Scholz entwickelte Wert-Abspaltungs-Kritik, mit der ĂŒber Marx hinaus das GeschlechterverhĂ€ltnis in die Kritik der kapitalistischen Gesellschaft einbezogen wird.

Claus Peter Ortlieb, emeritierter Professor fĂŒr Mathematik der UniversitĂ€t HH, war. Autor und Mitglied der Redaktion der Theoriezeitschrift EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft [1, 2] sowie GrĂŒnder des exit!-Lesekreises in Hamburg. Claus Peter Ortlieb ist leider am 15. September 2019 – kurz vor der Auslieferung seines Buches – verstorben.

Rezensionen:

Verweise:

Corona-Pandemie

Aufgrund der zur EindĂ€mmung der Covid-19-Pandemie als erforderlich erachteten Maßnahmen finden auch im Centro bis auf weiteres keine Veranstaltungen und also keine Treffen des exit! -Lesekreises in Hamburg im CENTRO SOCIALE statt (siehe auch hier).

Update [24.08.2020]:  »Ich will weder Beruf noch Familie« . Frauen zĂ€hlen zu den besonderen Verlierern der Pandemie und der Anti-Corona-Maßnahmen. GesprĂ€ch der konkret [2020_07] mit der freien Publizistin und Redakteur_in der Theorie-Zeitschrift »Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft«, Roswitha Scholz.

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Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Texte RĂŒckkehr zur kapitalistischen NormalitĂ€t? [Juni 2020] und Zur Diskussion um Corona [Mai 2020] von Herbert Böttcher/ Redaktion exit! sowie Corona und der Kollaps der Modernisierung [MĂ€rz 2020] von Roswitha Scholz fĂŒr die Redaktion von exit! & Herbert Böttcher fĂŒr den Vorstand von exit! und fĂŒr das Ökumenische Netz Ende MĂ€rz 2020.

Wir verweisen ergĂ€nzend auf den Text „Die Alten“ und die Corona-Krise von Andreas StĂŒckler im Soziologischen Journal der Instituts fĂŒr Soziologie der Uni Wien vom 29.04.2020 und das GesprĂ€ch Das Schwarz-Weiss-Denken mit der Psycholog_in Christine Kirchhoff in der taz vom 30.03.2020.

Zu den Wechselwirkungen mit dem ökonomischen Krisenverlauf zudem folgende Texte von Tomasz Konicz [Blog]:

August 2020

Der Exit!-Lesekreis in HH zur Wert-Abspaltungskritik findet aufgrund der aktuellen Krisenentwicklung (siehe auch die BlogeintrÀge Corona-Pandemie und Globale Krise [
]) bis auf Weiteres im informellen Rahmen statt.

Das Programm fĂŒr August haben wir wie folgt verabredet: jeweils die abschließenden Kapitel der letzten beiden Publikationen von Tomasz Konicz [Blog], in denen er so etwas wie eine Perspektive – fĂŒr einen emanzipatorischen „Transformationskampf“ (wobei hier uE  bereits der Begriff selbst kritisch zu hinterfragen ist) zu formulieren versucht.

Kapitalkollaps. Die finale Krise der Weltwirtschaft [2016]
09. Der große Transformationskampf

10. Was kann die Linke tun?

Siehe hierzu auch die entsprechenden BlogeintrÀge bei Konicz und bei uns, insbesondere das GesprÀch von Radio Corax mit Konicz zu seinem Buch Kapitalkollaps sowie die Aufnahme seines Vortrages zur Buchvorstellung in Hamburg (2016).

Klimakiller Kapital. Wie ein Wirtschaftssystem unsere Lebensgrundlagen zerstört [2020]
5.  Jenseits der Apokalypse –  Wege in den Postkapitalismus
5.1  Keine Enteignung ist auch keine Lösung
5.2  Kommunismus = Internet + RÀte
5.3  Postkapitalismus ohne Verzicht
5.4  Was tun angesichts der kapitalistischen Klimakrise?

Siehe hierzu auch die entsprechenden BlogeintrĂ€ge bei Konicz und bei uns. Außerdem der Verweis zu seinem Vortrag im Rahmen der diesjĂ€hrigen Public Climate School 2020 von Students4Future Kiel: AnkĂŒndigung | Vortrag und zwar ab 3:30:00.

Kontakt: kontakt [at] exit-lesekreis-hh.de

August 2020 Radio fsk

Der Exit!-Lesekreis in HH sendet regelmĂ€ĂŸig einen Beitrag unter dem Titel rotten system! rotten world? auf Radio FSK [Freies Sender Kombinat, Hamburg], und zwar immer

  • jeden zweiten Mittwoch im Monat von 08:00 bis 10:00 Uhr vormittags.

Die BeitrĂ€ge werden auch jeweils im transmitter, der Programmzeitschrift von Radio FSK angekĂŒndigt.

Aber im August haben wir einfach mal Pause gemacht. Schön ist, dass auch unabhÀngig von uns interessante Sendungen laufen, hier am Freitag, den 09. August um 08:00 Uhr:  Kritik als Denkform. Von den Voraussetzungen kritischen Denkens [1|2|3] aus der Reihe Sachzwang FM von Dr. Indoktrinator.

Kritisch? ...sind wir doch irgendwie alle. Sollte man meinen. Irgendetwas doof zu finden oder abzulehnen, macht jedoch noch keine Kritik aus, nicht mal ein Urteil. Es ist zunĂ€chst eine unverbindliche BefindlichkeitsĂ€ußerung. Um also den Unterschied zwischen Gemoser und Kritik herauszukitzeln, muß man tiefer graben; hierzu ist es ebenso notwendig wie lohnend, philosophisch zu werden. (Philosophie = „Freude am Denken“)

An die Wurzeln gehende Gesellschaftskritik sieht sich wegen ihrer extremen Minderheitsposition heute schnell in der Situation eines Menschen, der in eine Irrenanstalt geraten ist, deren Insassen erkennbar alle dem selben Wahn verfallen sind. Jeder Versuch, die Lage zu klĂ€ren, fĂŒhrt unweigerlich dazu, selbst fĂŒr verrĂŒckt gehalten zu werden. Normal ist schließlich immer die Mehrheit. Claus Peter Ortlieb

Mit Claus Peter Ortlieb (1947–2019) ist im September 2019 ein Denker und Theoretiker verstorben, dem wichtige Impulse in Sachen fundamentaler Gesellschafts- und Wissenschaftskritik zu verdanken sind. Obschon Professor fĂŒr Mathematik, bestand Ortliebs Leidenschaft darin, die eigenen – beschrĂ€nkten – Denkformen des Positivismus, jene eingeschliffenen Verfahrensweisen selbstgenĂŒgsamen Formalisierens und Modellierens, infrage zu stellen und in subversiver Absicht zu ĂŒberschreiten. Wir prĂ€sentieren heute einen bemerkenswerten Aufsatz Ortliebs aus dem Jahr 2000, dessen Titel schon fĂŒr sich spricht: Gesellschaftskritik als Erkenntniskritik. Anmerkungen zu der Frage, warum Kritik der Theorie bedarf und wo deren Grenzen liegen. Denn oft wird man sich ja schon mal gefragt haben, warum – eigentlich evidente – kritische BasisbanalitĂ€ten bei so wenigen Leuten verfangen, sprich auf intellektuelle Resonanz stoßen. Inwiefern also Schwierigkeiten der Erkenntnis (oder auch nur Widrigkeiten des Erkenntnisinteresses) auf der Seite der Rezipienten zu suchen sind oder nicht doch auch im Gegenstand selbst. Leute, die der weitverbreiteten Ansicht sind, die real existierende sei zwar nicht die beste aller Welten, aber doch die einzige, mĂŒssen sich fragen lassen, wie ernst sie sich selbst nehmen.

Ähnlich grundsĂ€tzlich versucht Leo Elser in einem Vortrag aus dem Jahr 2011, Wesensmerkmalen gelingender Kritik nachzuspĂŒren. Nach Marx ist die Kritik der Religion die Voraussetzung aller Kritik. Doch besteht auch in Zeiten wie den unseren, in denen das Bekenntnis gegen die etablierte Religion zum guten Ton gehört, kein Mangel an Götzen, die der „durch seine Gesundheit erkrankte Menschenverstand“ (Adorno) aufbietet, um nur eines nicht werden zu mĂŒssen: Vernunft. Vernunft und Kritik, die in unvernĂŒnftigen VerhĂ€ltnissen notwendig dasselbe sind, teilen mit der traditionellen Theologie aber ihren Bezug auf das Ganze und den Anspruch auf Wahrheit. So wie sich die bloße Meinung gegen die Kirche als Religionskritik mißversteht, so auch die Meinung gegen die Banken als Kapitalismuskritik. Beides ist mitnichten „verkĂŒrzte Kritik“, die aufs richtige Maß zu verlĂ€ngern sich linke Intellektuelle zur Aufgabe gemacht haben, sondern zum Ressentiment versteinerte Denkform dessen, was ohnehin ist, aber nicht mehr sein darf, wenn Vernunft wirklich werden soll.

Alles Denken - ohne Ausnahme - ist in seinen Formen durch die Gesellschaft determiniert, in der es stattfindet. Claus Peter Ortlieb

Leider ist die Sendung bislang nicht frei verfĂŒgbar.

Juli 2020

Der Exit!-Lesekreis in HH zur Wert-Abspaltungskritik findet aufgrund der aktuellen Krisenentwicklung (siehe auch die BlogeintrĂ€ge Corona-Pandemie und Globale Krise […]) bis auf Weiteres im informellen Rahmen statt.

…and politics.

Wir befassen uns weiter mit dem gesellschaftlichen Krisenverlauf vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, in diesem Monat versuchen wir einen Blick auf die Wechselwirkungen mit der ökonomischen Krise [wobei die unterschiedlichen Ebenen aufeinander bezogen gedacht werden mĂŒssen und gar nicht voneinander getrennt werden können/ dĂŒrfen] und eine AnnĂ€herung an den Begriff Todestrieb.

Zur ökonomischen Krise verweisen wir auf zwei grundlegende Texte der entwickelten Krisentheorie:

  1. Robert Kurz: Die Krise des Tauschwerts [1986]
  2. Claus Peter Ortlieb: Ein Widerspruch von Stoff und Form [2009]

Zudem folgende Texte von Tomasz Konicz [Blog]:

Texthinweise zum Begriff Todestrieb folgen.

Kontakt: kontakt [at] exit-lesekreis-hh.de

Juli 2020 Sendung Radio fsk

Der Exit!-Lesekreis in HH sendet regelmĂ€ĂŸig einen Beitrag unter dem Titel rotten system! rotten world? auf Radio FSK [Freies Sender Kombinat, Hamburg], und zwar immer

  • jeden zweiten Mittwoch im Monat von 08:00 bis 10:00 Uhr vormittags.

Die BeitrĂ€ge werden auch jeweils im transmitter, der Programmzeitschrift von Radio FSK angekĂŒndigt.

Aus aktuellem Anlaß [Stichworte Klimawandel, Corona-Pandemie] senden wir in den Monaten April, Mai, Juni und Juli 2020 die BeitrĂ€ge des exit! Seminars 2013 Gesellschaftliche NaturverhĂ€ltnisse: „[…] Wenn wir von gesellschaftlichen NaturverhĂ€ltnissen sprechen, geht es […] um das VerhĂ€ltnis von Natur und kapitalistischem Patriarchat, das sich nicht in postmoderne PluralitĂ€t auflösen lĂ€sst. Ökologische Probleme können unter kapitalistischen Bedingungen nicht gelöst werden;  darĂŒber hinaus weisen neue ökologische Bewegungen starke ideologische Momente auf, die bei fortschreitender Krise ihr Destruktionspotential erst voll entfalten könnten, wie anhand der Postwachstumsbewegung aufgezeigt wird. Außerdem werden Überlegungen zum Androzentrismus in der Geschichte der Naturwissenschaften und zur „Natur des Subjekts und des Staates“ angestellt.

Dokumentation des Seminars Gesellschaftliche NaturverhÀltnisse inklusive aller VortrÀge im Audioarchiv kritischer Theorie und Praxis.

Juni 2020 [Teil 4]: Daniel SpÀth, Postwachstumsbewegung: Eine Variante (links)liberaler KrisenverdrÀngung [Vortrag: Teil 1 | Teil 2].

Es ist ein Wesensmerkmal des linken ideologiekritischen Reduktionismus, sich in den vielfĂ€ltigen PolaritĂ€ten moderner SubjektivitĂ€t einzurichten und damit Freiheit im Sinne Adornos, als kritische Verweigerung gegenĂŒber den herrschenden Alternativen, der PartikularitĂ€t zu ĂŒberantworten. Ob nun der Idealismus zu einem Materialismus (Hegel vom Kopf auf die FĂŒĂŸe gestellt) oder aber der Subjektivismus zu einem Objektivismus („Historischer Materialismus“) gewendet wird, das Resultat ist immer dasselbe: Als kritische Weiterentwicklung der bĂŒrgerlichen Vernunft apostrophiert, desavouiert sich der identitĂ€tslogische Anbau an der modernen Theoriearchitektur nicht etwa als transzendierende Kritik, sondern regelmĂ€ĂŸig als ein immanenter Widerpart. Dieser Reduktionismus blamiert sich insbesondere in der Krise des warenproduzierenden Patriarchats. Der westliche Linksradikalismus, der statt der Fundamentalkrise ĂŒberall „Chancen“ und „Aushandlungsoptionen“ wittert, hat die realgeschichtlichen Metamorphosen der AufklĂ€rungsvernunft nicht ĂŒberwunden, welche vielmehr zum unhinterfragbaren SelbstverstĂ€ndnis sedimentierte. Der weithin neoliberalisierten Linken scheinen sich quasi naturwĂŒchsig neue Alternativen zu eröffnen: „AufklĂ€rung“ versus „GegenaufklĂ€rung“, „Vernunft“ versus „Unvernunft“, „Liberalismus“ versus „Volkstum“ etc., wobei, der identitĂ€tslogischen Versessenheit folgend, erstere gerne dem „rationalen Westen“ und letztere irgendwelchen „irrationalen Banden“ zugeordnet werden, wodurch der eigene mĂ€nnlich-westliche, weiße Standpunkt wieder mal fein raus ist.

Einer derart verkĂŒrzten „Ideologiekritik“ muss die „Postwachstumsbewegung“ als Wiederkehr eines ausgemacht völkischen Denkens gelten. Schließlich operieren ihre VertreterInnen nicht nur mit einem positiven Naturbegriff, darĂŒber hinaus verweisen die diversen BegrĂŒndungsmodi eines „falschen Wachstums“ auf eine strukturell antisemitische Ideologie, deren Ursachendiagnostik bezĂŒglich der Krise sich ausschließlich auf das dĂ€monisierte Finanzkapital und den inkriminierten Zins kapriziert. FĂŒr die assoziative Grundgesinnung des postmodernisierten Linksradikalismus bedĂŒrfte es hierbei keinerlei dialektischer BegrĂŒndung mehr, zumindest dort, wo derartige Sachverhalte noch einem Anspruch der Kritik unterliegen: Naturversessenheit und struktureller Antisemitismus – na, wenn das kein völkisches Denken ist... Allerdings handelt es sich hierbei um einen Trugschluss. Denn dass struktureller Antisemitismus und ein problematischer Naturbegriff gleichwohl zu Bestandteilen liberaler Gesinnung gerinnen können, soll an ausgewĂ€hlten Texten jener „Postwachstumsbewegung“ rekonstruiert werden. In diesem Sinne wird der erste Teil des Vortrags einen erkenntnis- und ideologiekritischen Durchgang durch zentrale Referenztheorien der Postwachstumsideologie (Immanuel Kant/ Silvio Gesell) versuchen, um den gemeinsamen epistemologischen Bezugsrahmen einer liberalen Zins- bzw. Geld„kritik“ offenzulegen, um sodann ihre zentrale Kategorie in den Fokus zu rĂŒcken: Die Natur. Auch weitere wichtige Aspekte der Postwachstumsbewegung (RegionalwĂ€hrung, quasi subsistenzwirtschaftliche Arbeitsformen, neue MaßstĂ€be des Wachstums etc.) werden dabei einer Kritik unterzogen und in den Kontext der Fundamentalkrise gerĂŒckt, deren konstitutiver Bedingungszusammenhang fĂŒr jene liberale „Kritik“ des Wachstums evident ist.

Wir verweisen auch auf den Text Liberalismus in der Fundamentalkrise: Eine Kritik der „Postwachstumsbewegung“ sowie in verĂ€nderter Fassung »Postwachstum« oder die Krise der Vernunft. Zu einem Syndrom liberaler Fortschrittslosigkeit.

Daniel SpÀth war Mitglied der Redaktion der Theoriezeitschrift EXIT!. Weitere Texte von Daniel SpÀth auf exit-online.org [=> AutorInnen].

Juni 2020

Der Exit!-Lesekreis in HH zur Wert-Abspaltungskritik findet aufgrund der aktuellen Krisenentwicklung (siehe auch die BlogeintrĂ€ge Corona-Pandemie und Globale Krise […]) bis auf Weiteres im informellen Rahmen statt.

…oder in QuarantĂ€ne?

Wir befassen uns mit dem gesellschaftlichen Krisenverlauf vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, in diesem Monat insbesondere mit dem Interview mit Roswitha Scholz, Publizistin und Redakteurin der Theorie-Zeitschrift »Exit!«, ĂŒber die Pandemie und das GeschlechterverhĂ€ltnis „Ich will weder Beruf noch Familie“ in der konkret Juli 2020.

Weiter mit den Texten RĂŒckkehr zur kapitalistischen NormalitĂ€t? [Juni 2020] und Zur Diskussion um Corona [Mai 2020] von Herbert Böttcher/ Redaktion exit! sowie Corona und der Kollaps der Modernisierung [MĂ€rz 2020] von Roswitha Scholz und Herbert Böttcher. Außerdem mit dem Text „Die Alten“ und die Corona-Krise [April 2020] von Andreas StĂŒckler aus dem Soziologischen Journal der Instituts fĂŒr Soziologie der Uni Wien.

Kontakt: kontakt [at] exit-lesekreis-hh.de

Juni 2020 Sendung Radio fsk

Der Exit!-Lesekreis in HH sendet regelmĂ€ĂŸig einen Beitrag unter dem Titel rotten system! rotten world? auf Radio FSK [Freies Sender Kombinat, Hamburg], und zwar immer

  • jeden zweiten Mittwoch im Monat von 08:00 bis 10:00 Uhr vormittags.

Die BeitrĂ€ge werden auch jeweils im transmitter, der Programmzeitschrift von Radio FSK angekĂŒndigt.

Aus aktuellem Anlaß [Stichworte Klimawandel, Corona-Pandemie] senden wir in den Monaten April, Mai, Juni und Juli 2020 die BeitrĂ€ge des exit! Seminars 2013 Gesellschaftliche NaturverhĂ€ltnisse: „[…] Wenn wir von gesellschaftlichen NaturverhĂ€ltnissen sprechen, geht es […] um das VerhĂ€ltnis von Natur und kapitalistischem Patriarchat, das sich nicht in postmoderne PluralitĂ€t auflösen lĂ€sst. Ökologische Probleme können unter kapitalistischen Bedingungen nicht gelöst werden;  darĂŒber hinaus weisen neue ökologische Bewegungen starke ideologische Momente auf, die bei fortschreitender Krise ihr Destruktionspotential erst voll entfalten könnten, wie anhand der Postwachstumsbewegung aufgezeigt wird. Außerdem werden Überlegungen zum Androzentrismus in der Geschichte der Naturwissenschaften und zur „Natur des Subjekts und des Staates“ angestellt.

Dokumentation des Seminars Gesellschaftliche NaturverhÀltnisse inklusive aller VortrÀge im Audioarchiv kritischer Theorie und Praxis.

Juni 2020 [Teil 3]: Karina Korecky, „Man nennt mich Natur und ich bin doch ganz Kunst“: Zur Natur des Subjekts und des Staates [Vortrag].

Wer in kritischer Absicht von den GrĂŒnden fĂŒr Unfreiheit, UnterdrĂŒckung und Diskriminierung spricht, verortet diese normalerweise in der Gesellschaft oder im Sozialen, keineswegs in der Natur. Alles, was gesellschaftlich, sozial, gemacht oder konstruiert ist, kann verĂ€ndert werden, wĂ€hrend „Natur“ Ungleichheit und Zwang verfestigt und legitimiert. Einst war das genau anders herum: Die Natur war gut und ihr zum Durchbruch zu verhelfen Programm der AufklĂ€rung zur Durchsetzung von Freiheit und Gleichheit. Die freundliche Natur der AufklĂ€rung des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurde zweihundert Jahre spĂ€ter zur Berufungsinstanz fĂŒr Ungleichheit. Wer heute fĂŒr gleiche Rechte kĂ€mpft, kritisiert „Naturalisierung“ und „Biologismus“. Am konsequentesten – sozusagen als AufklĂ€rung mit umgekehrten Vorzeichen – geht dabei der linke Poststrukturalismus vor, der eine klare FeinderklĂ€rung an Natur abgibt und auf die FĂ€higkeiten des Geistes zur (De-)Konstruktion setzt. DemgegenĂŒber steht in der linken Debatte ein eher hilfloser und vage bleibender Verweis auf Natur als das unverfĂŒgbare Moment, das sich sperrt, nicht aufgeht im beherrschenden Zugriff – manchmal verbunden mit der Hoffnung, da möge es ein Außen der gesellschaftlichen TotalitĂ€t geben, vielleicht sogar einen Ausgangspunkt, an dem der revolutionĂ€re Hebel angesetzt werden kann. Der Vortrag handelt von der inneren Natur als Voraussetzung von Subjekt (Natur des Menschen) und Staat (Naturzustand) und ihrer Geschichte. Gezeigt werden soll, dass Materialismus nicht heißen kann, nach dem richtigen Naturbegriff zu suchen, sondern die Geschichte des VerhĂ€ltnisses von Geist und Natur zu erzĂ€hlen: von der Befreiung versprechenden Natur zur Biopolitik [1] [2] [3] des autoritĂ€ren Staates.

Karina Korecky ist Soziologin und Politikwissenschaftlerin [1] [2] [3] [4] mit den Schwerpunkten Soziologie mentaler Gesund- und Krankeit, Soziologie öffentlicher Gesundheitsversorgung, Politische Theorie und Feministische Theorie.

In der Zeitschrift exit! Heft 9 (2012) veröffentlichte sie den Text Wo die Liebe zu den Gesetzen im Staate ruht. Über den Zusammenhang von Weiblichkeit und Nation [Inhalt und Editorial] [Zusammenfassungen].

Mai 2020

Der Exit!-Lesekreis in HH zur Wert-Abspaltungskritik findet aufgrund der aktuellen Krisenentwicklung (siehe auch die BlogeintrĂ€ge Corona-Pandemie und Globale Krise […]) bis auf Weiteres im informellen Rahmen statt, und zwar

  • jeweils Montags um 18 Uhr

Wir befassen uns weiterhin mit den gesellschaftlichen KrisenverlÀufen, zZt vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

Auch oder gerade weil wir Analyse und Schlussfolgerungen nicht notwendig zustimmen diskutieren wir hier aktuell Vortrag und Diskussion Das Virus und der Wert von sous la plage/ antigravitationistische linke und JustIn Monday im Rahmen des Salons gegen die Schwerkraft von 06. Mai 2020. Zum besseren VerstÀndnis insbesondere des ersten Teiles zu den Begriffen Bio-Politik und Bio-Macht von Michel Foucault unter [1] [2] [3].

Wir verweisen zudem auf den gleichnamigen Text Das Virus und der Wert von JustIn Monday in der konkret.

Kontakt: kontakt [at] exit-lesekreis-hh.de

Mai 2020 Sendung Radio fsk

Der Exit!-Lesekreis in HH sendet regelmĂ€ĂŸig einen Beitrag unter dem Titel rotten system! rotten world? auf Radio FSK [Freies Sender Kombinat, Hamburg], und zwar immer

  • jeden zweiten Mittwoch im Monat von 08:00 bis 10:00 Uhr vormittags.

Die BeitrĂ€ge werden auch jeweils im transmitter, der Programmzeitschrift von Radio FSK angekĂŒndigt.

Aus aktuellem Anlaß [Stichworte Klimawandel, Corona-Pandemie] senden wir in den Monaten April, Mai, Juni und Juli 2020 die BeitrĂ€ge des exit! Seminars 2013 Gesellschaftliche NaturverhĂ€ltnisse: „[…] Wenn wir von gesellschaftlichen NaturverhĂ€ltnissen sprechen, geht es […] um das VerhĂ€ltnis von Natur und kapitalistischem Patriarchat, das sich nicht in postmoderne PluralitĂ€t auflösen lĂ€sst. Ökologische Probleme können unter kapitalistischen Bedingungen nicht gelöst werden;  darĂŒber hinaus weisen neue ökologische Bewegungen starke ideologische Momente auf, die bei fortschreitender Krise ihr Destruktionspotential erst voll entfalten könnten, wie anhand der Postwachstumsbewegung aufgezeigt wird. Außerdem werden Überlegungen zum Androzentrismus in der Geschichte der Naturwissenschaften und zur „Natur des Subjekts und des Staates“ angestellt.

Dokumentation des Seminars Gesellschaftliche NaturverhÀltnisse inklusive aller VortrÀge im Audioarchiv kritischer Theorie und Praxis.

Mai 2020 [Teil 2]: Johannes Bareuther, Zum Androzentrismus der naturbeherrschenden Vernunft [Vortrag | Diskussion] (siehe auch der gleichnamige Text in EXIT!, Heft 12).

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Entstehung der neuzeitlichen Naturwissenschaften und der kapitalistischen Vergesellschaftung, aus dem sich auch deren destruktive Tendenzen erklĂ€ren. Der Vortrag stellt, dabei an die feministische Wissenschaftskritik anknĂŒpfend, Überlegungen an, wie eine wert-abspaltungs-theoretisch akzentuierte Kritik der Naturwissenschaft aussehen kann. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der historischen Konstitutionsphase um das 17. Jahrhundert. Das Referat arbeitet die Grenzen des Buches Im Takt des Geldes von Eske Bockelmann sowie den Zusammenhang von Geschlecht und Wissenschaft heraus und nimmt Bezug auf den grundlegenden Text Bewusstlose ObjektivitĂ€t von Claus Peter Ortlieb.