Juni 2020

Der Exit!-Lesekreis in HH zur Wert-Abspaltungskritik findet aufgrund der aktuellen Krisenentwicklung (siehe auch die BlogeintrĂ€ge Corona-Pandemie und Globale Krise […]) bis auf Weiteres im informellen Rahmen statt.

…oder in QuarantĂ€ne?

Wir befassen uns mit dem gesellschaftlichen Krisenverlauf vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, in diesem Monat insbesondere mit dem Interview mit Roswitha Scholz, Publizistin und Redakteurin der Theorie-Zeitschrift »Exit!«, ĂŒber die Pandemie und das GeschlechterverhĂ€ltnis „Ich will weder Beruf noch Familie“ in der konkret Juli 2020.

Weiter mit den Texten RĂŒckkehr zur kapitalistischen NormalitĂ€t? [Juni 2020] und Zur Diskussion um Corona [Mai 2020] von Herbert Böttcher/ Redaktion exit! sowie Corona und der Kollaps der Modernisierung [MĂ€rz 2020] von Roswitha Scholz und Herbert Böttcher. Außerdem mit dem Text „Die Alten“ und die Corona-Krise [April 2020] von Andreas StĂŒckler aus dem Soziologischen Journal der Instituts fĂŒr Soziologie der Uni Wien.

Kontakt: kontakt [at] exit-lesekreis-hh.de

Juni 2020 Sendung Radio fsk

Der Exit!-Lesekreis in HH sendet regelmĂ€ĂŸig einen Beitrag unter dem Titel rotten system! rotten world? auf Radio FSK [Freies Sender Kombinat, Hamburg], und zwar immer

  • jeden zweiten Mittwoch im Monat von 08:00 bis 10:00 Uhr vormittags.

Die BeitrĂ€ge werden auch jeweils im transmitter, der Programmzeitschrift von Radio FSK angekĂŒndigt.

Aus aktuellem Anlaß [Stichworte Klimawandel, Corona-Pandemie] senden wir in den Monaten April, Mai, Juni und Juli 2020 die BeitrĂ€ge des exit! Seminars 2013 Gesellschaftliche NaturverhĂ€ltnisse: „[…] Wenn wir von gesellschaftlichen NaturverhĂ€ltnissen sprechen, geht es […] um das VerhĂ€ltnis von Natur und kapitalistischem Patriarchat, das sich nicht in postmoderne PluralitĂ€t auflösen lĂ€sst. Ökologische Probleme können unter kapitalistischen Bedingungen nicht gelöst werden;  darĂŒber hinaus weisen neue ökologische Bewegungen starke ideologische Momente auf, die bei fortschreitender Krise ihr Destruktionspotential erst voll entfalten könnten, wie anhand der Postwachstumsbewegung aufgezeigt wird. Außerdem werden Überlegungen zum Androzentrismus in der Geschichte der Naturwissenschaften und zur „Natur des Subjekts und des Staates“ angestellt.

Dokumentation des Seminars Gesellschaftliche NaturverhÀltnisse inklusive aller VortrÀge im Audioarchiv kritischer Theorie und Praxis.

Juni 2020 [Teil 3]: Karina Korecky, „Man nennt mich Natur und ich bin doch ganz Kunst“: Zur Natur des Subjekts und des Staates [Vortrag].

Wer in kritischer Absicht von den GrĂŒnden fĂŒr Unfreiheit, UnterdrĂŒckung und Diskriminierung spricht, verortet diese normalerweise in der Gesellschaft oder im Sozialen, keineswegs in der Natur. Alles, was gesellschaftlich, sozial, gemacht oder konstruiert ist, kann verĂ€ndert werden, wĂ€hrend „Natur“ Ungleichheit und Zwang verfestigt und legitimiert. Einst war das genau anders herum: Die Natur war gut und ihr zum Durchbruch zu verhelfen Programm der AufklĂ€rung zur Durchsetzung von Freiheit und Gleichheit. Die freundliche Natur der AufklĂ€rung des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurde zweihundert Jahre spĂ€ter zur Berufungsinstanz fĂŒr Ungleichheit. Wer heute fĂŒr gleiche Rechte kĂ€mpft, kritisiert „Naturalisierung“ und „Biologismus“. Am konsequentesten – sozusagen als AufklĂ€rung mit umgekehrten Vorzeichen – geht dabei der linke Poststrukturalismus vor, der eine klare FeinderklĂ€rung an Natur abgibt und auf die FĂ€higkeiten des Geistes zur (De-)Konstruktion setzt. DemgegenĂŒber steht in der linken Debatte ein eher hilfloser und vage bleibender Verweis auf Natur als das unverfĂŒgbare Moment, das sich sperrt, nicht aufgeht im beherrschenden Zugriff – manchmal verbunden mit der Hoffnung, da möge es ein Außen der gesellschaftlichen TotalitĂ€t geben, vielleicht sogar einen Ausgangspunkt, an dem der revolutionĂ€re Hebel angesetzt werden kann. Der Vortrag handelt von der inneren Natur als Voraussetzung von Subjekt (Natur des Menschen) und Staat (Naturzustand) und ihrer Geschichte. Gezeigt werden soll, dass Materialismus nicht heißen kann, nach dem richtigen Naturbegriff zu suchen, sondern die Geschichte des VerhĂ€ltnisses von Geist und Natur zu erzĂ€hlen: von der Befreiung versprechenden Natur zur Biopolitik [1] [2] [3] des autoritĂ€ren Staates.

Karina Korecky ist Soziologin und Politikwissenschaftlerin [1] [2] [3] [4] mit den Schwerpunkten Soziologie mentaler Gesund- und Krankeit, Soziologie öffentlicher Gesundheitsversorgung, Politische Theorie und Feministische Theorie.

In der Zeitschrift exit! Heft 9 (2012) veröffentlichte sie den Text Wo die Liebe zu den Gesetzen im Staate ruht. Über den Zusammenhang von Weiblichkeit und Nation [Inhalt und Editorial] [Zusammenfassungen].