Februar 2020 Sendung Radio fsk

Der Exit!-Lesekreis in HH sendet regelmĂ€ĂŸig einen Beitrag unter dem Titel rotten system! rotten world? auf Radio FSK [Freies Sender Kombinat, Hamburg], und zwar immer

  • jeden zweiten Mittwoch im Monat von 08:00 bis 10:00 Uhr vormittags.

Die BeitrĂ€ge werden auch jeweils im transmitter, der Programmzeitschrift von Radio FSK angekĂŒndigt.

Februar 2020 VortrĂ€ge des exit! Seminars 2019 Geschlecht, Subjekt, Krise [Teil 3]: Kim PossterMĂ€nnlichkeit ist die Krise?! – Zu Geschichte und VerhĂ€ltnis von latenter und manifester Krise des bĂŒrgerlichen Subjekts und seiner gesellschaftlichen (Geschlechts-)Natur.


„Wahre MĂ€nnlichkeit" kann nicht einfach sein. Sie gibt es entweder „noch nicht wirklich" oder „fast schon nicht mehr“. Immer in Gefahr, nur ein Verblassen der Vergangenheit zu sein. Niemals fĂ€hig, das Entschwinden in die Zukunft zu verhindern. Dass MĂ€nnlichkeit in der Krise sei, ist deshalb eine Diagnose, die jederzeit zuzutreffen scheint und normalerweise als Argument fĂŒr eine patriarchale ResouverĂ€nisierung in Stellung gebracht wird.

Kritischere Geister halten dem entgegen: „MĂ€nnlichkeit ist die Krise!" und verweisen auf die grundlegend prekĂ€re Konstitution von MĂ€nnlichkeit und die ihr zu Grunde liegende Angst vor SchwĂ€che und Zerfall. So richtig es aber ist, die Apologie der mythisch-ewigen Geschlechtsnatur, die alles Ă€ndern will, damit es endlich wieder so wird, wie es schon immer war, zurĂŒckzuweisen, so falsch ist es, die in ihr aufgehobene Geschichte zu ignorieren. 

Statt also die ewige Gegenwart des Geschlechts nur dekonstruktivistisch aufzudröseln und in bunter „Vielfalt" zu variieren, wie es auch der Queerfeminismus tut, gilt es den geschlechtlichen Wiederholungszwang der bĂŒrgerlichen Gesellschaft materialistisch durch die historischen UmwĂ€lzungen hindurch zu verfolgen. Denn nur eine Historie der mythischen Ewigkeit des Geschlechts, also eine Betrachtung der inneren Geschichte der gesellschaftlichen (Geschlechts-)Natur, vermag es, das VerhĂ€ltnis von latenter und manifester Krise des Geschlechts im Allgemeinen und der MĂ€nnlichkeit im Besonderen aufzuklĂ€ren. 

MĂ€nnlichkeit kann dabei als naturwĂŒchsige Kategorie des WertverhĂ€ltnisses und seiner geschlechtlichen Abspaltung entwickelt werden, die in der historischen Entfaltung des prozessierenden Widerspruchs, d.h. des Kapitals, stets sowohl verfĂ€llt, als auch auf der jeweiligen historischen Stufe erneuert werden muss. 

Wie dieser Verfall aktuell von MÀnnern verhandelt wird und auf welch barbarische Art vor allem völkische und islamistische Ideolgien eine Erneuerung anstreben, verrÀt dabei, wie sich die Krise heute, nach dem "Ende der Geschiche", manifestiert und welche vor allem regressiven Potentiale sie freisetzt.

Paul Hentze und Kim Posster betreiben mit anderen zusammen den Blog Kritische MĂ€nnlichkeit?! zur Verbreitung und Vernetzung von kritischen Auseinandersetzungen mit (eigener) MĂ€nnlichkeit. Siehe auch den Artikel: Male Detox in der ak.